Fjodor Sacharowitsch Sacharow, geboren 1919 in Smolensk - gestorben 1995 in Jalta, ist einer der bekanntesten Meister der modernen ukrainischen und russischen Malerei. Sacharow ist seit 1987 Preisträger des ,,Taras Schwetschenko” Preises, der höchsten Auszeichnung auf dem Gebiet der Literatur und Kunst der Ukraine (Ausstellungsverzeichnis).
Im alten Dorf, 1966, Öl auf Leinwand, 80 cm x 120 cm, (68K).
Am Strand von Massandra,1972, Öl auf Leinwand, 70 cm x 100 cm , (62K).
Im Hafen von Jalta,1957, Öl auf Leinwand, 86,5 cm x 105 cm und (62K).
Herbst in den Weinbergen, 1967,Öl auf Leinen, 47.5 cm x 115 cm (62K).
Sonnentag im März, 1968, Öl auf Leinwand, 80 cm x 120 cm, (69 K).
Apfelblüte, 1970, Öl auf Leinwand, 103.5cm 110,5 cm(69 K) und
Sonnentag in Gursuf, 1959, Öl auf Leinwand, 80 cm x 100 cm (62K),
Winterabend, 1970, Öl auf Karton, 70 cm x 100 cm, (69K).
Frühlingsflieder, 1974, Öl auf Leinwand, 80 cm x 120 cm, (69 K).
Rosen in der Dämmerung, 1969, Öl auf Leinwand, 89.5 cm x 97 cm (69 K).
Im Atelier des Meisters, 1960, Öl auf Leinwand, 120.5 cm x 106,6 cm, (58
K).
Geboren wurde Sacharow in dem kleinen Dorf Aleksanderskoje in der Region Smolensk. Eine solide Fachausbildung erhielt er an der Sukow Akademie für Bildende Kunst in Moskau. Unter seinen Lehrern war Aristarch Lentulow, einer der berühmtesten Vertreter der russischen Avantgarde in den zwanziger Jahren. Fjodor S. Sacharow begann 1950 seinen selbständigen Weg als Künstler. Das war die große Zeit der totalitaren sowjetischen Kunst, voll und ganz den Interessen der Partei untergeordnet. Der junge Maler fand jedoch die Kraft, um nicht den leichten, systemangepassten, von vielen Künstlern gewählten zu Weg beschreiten, der ihm rasche Anerkennung und die materiellen Vorteile gesichert hätte. Sacharow hat nie die sogenannten ,,thematischen Auftragswerke” geschaffen, die das “glückliche Leben der Sowjetmenschen” preisen. Er blieb immer ehrlich gegenüber sich selbst, den anderen Menschen und der Kunst. Zu seinen Hauptthemen wurden die Landschaftsbilder und Stilleben.
Dem Maler war es gelungen, in den einfachen und unkomplizierten Motiven ethische Begriffe wie Moral und Güte, Harmonie und Schönheit zum Ausdruck zu bringen. Die Kunst von Sacharow wurde inspiriert von den großen Leistungen der russischen und ukrainischen klassischen Landschaftsmalerei Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, die durch erhabene Poetisierung der Natur gekennzeichnet war. Den Werken des Meisters liegen immer die realen Eindrücke zugrunde, welche in die zutiefst emotionelle lyrische Gestalt der Welt transformiert werden. Seine Bilder basieren auf der harmonischen Verknüpfung des impressionistischen Empfindens und der Darstellungsmalerei.
Die Ungezwungenheit und Natürlichkeit der Komposition verbindet sich in Sacharows Werken organisch mit der Ausdruckskraft der verallgemeinerten Formen und der Starke der Lichtharmonie. Die Dynamik des kräftigen Pinselstriches verstärkt das Gefühl der Beweglichkeit, Unstetigkeit und der Veränderlichkeit der den Menschen umgebenden Umwelt.
Zwei Landschaften zogen das Herz des Malers besonders an: - die Krim, wo er lebte, und das kleine ukrainische Sednew bei Tschernigiw, wohin er häufig zum Malen reiste. Auf der Krim inspirierten Sacharow die lichtstarke südliche Sonne, die gemütlichen, von Weintrauben umrankten Innenhöfe und Häuser (,,Mittags in der Datscha, 1958”) und die terrassenartig zum Meer abfallende Küste (,,Sonnentag in Gursuf, 1954’und ,,Promenade in Jalta, 1958”). Die Luft der warmen Abende am Meer läßt die Bläue des Meeres mit den Umrissen der Bäume und Menschen verschwimmen. Vor uns eröffnet sich die Welt von Farben und Licht des Sommers. In den Bildern Sacharows findet sich die ursprüngliche Magie des Meeres. Der Maler fühlt sehr fein die kaum merklichen Schattierungen der sich rasch ändernden Farbe des Wassers durch Lichteinfall und Wind. Die Bilder “Meer, 1984”, “Am Strand von Massandra, 1972”, “Der Gewitterabend, 1975”, “Stürmischer Wind, 1964” und ,,Hafen von Jalta, 1957” zeigen unterschiedliche Meeresstimmungen. Der breite und temperamentvolle Pinselstrich gibt die Wellenenergie, die Vibration der Luftmassen wieder. Die zurückhaltenden Farbenkompositionen schaffen das Gefühl der Bedeutsamkeit und der Macht des Meeres, seiner Naturkraft.
In Sednew, einer alten Siedlung, die bereits im 11. Jh. in den altrussischen Annalen erwahnt wird, findet Sacharow eine ganz andere Welt ,,Altes Sednew, 1966”. Den kleinen Fluß Snow, der durch sanfte Hügel und breiten Wiesen mit kleinen Seen fließt sowie dunkle Wälder, die wie eine Wand am Horizont aufstehen. Das ist eine Landschaft, wie aus alten, von der Zeit unberührten Fabeln. Das ist eine Welt, in der man eine tiefe Verbindung zur Natur fühlt. Sednew ist ein Ort, der inspiriert. Hierher, in das Landgut vom Gutsbesitzer Lysogub kam in den vierziger Jahren Jahren des 19. Jahrhunderts häufig Taras Schewtschenko, der große ukrainische Dichter und Maler. Sacharow, der von einer Bauernfamilie abstammte, waren diese schlichten Landmotive vertraut.
So vertraut wie die von grünen Baumen umgebenen Bauernhäuser, die sich hinter den niedrigen Zäunen verstecken. Sacharow kannte und verstand die gleichmäßige, ruhige Lebensweisc auf dem Landc, wo alle Handlungen und Taten von Menschen sich dem Leben der Natur anpassen, wo das Leben mit der Natur im Einklang ist, weit vom Stadtbetrieb entfernt. In Sednew malt Sacharow den Winter, den Schnee, der in der klirrenden Kälte einer Mondnacht (“Winterabend”) gcheinmisvoll blitzt oder in der bereits warmen Frühlingssonne glitzert (,,Sonnentag in März), 1968”. Er malt das weiße Blütenmeer im Frühling “Apfelbäume im Frühling, 1971” sowie das frische Frühlingsgrün “Erstes Grün, 1969” der fruchtbaren Landschaft um Tschernigiw. Die Farbe und Komposition bilden in den Bildern eine einheitlichc Materie, aus welcher Sacharow einen gewaltige innere Dynamik schafft. Diese emotionale Kraft des Ausdrucks erreicht Sacharow auch in seinen Stilleben.
Der Maler bildet mit seinem breiten, pastösen Pinselstrich sicher die Form des Gegenstandes ab, gibt die Eigenart seiner Fraktur wieder. Bei der Darstellung der Realitäten der Umwelt ist für den Maler nicht nur dic Eigenart der Gcgenstände wichtig, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der räumlichen Verbindung. Und das wechselseitige Zusammenspiel von Luft und Licht. Das wichtigste für Sacharow ist der Zusammenhang der Gegenstände mit dem Menschen. In den Büchern, im Geschirr, im Obst und in den Blumen, die so sorgfaltig in die Vasen gestellt sind, überall fühlt man die Nähe der Menschcn, die sich mit diesen Gegenständen umgeben (,,Im Atelier, 1960”). Die persönliche Einstellung des Malers selbst lässt die Gegenstände lebendig wirken. Das ist der Grund, warum die Bilder so leuchtend und farbenfroh sind. Auf den Bildern findet sich der von Sacharow geliebte Flieder aus Sednew ,,Flieder 1968” und die geöffneten Knospen der Krimrosen ,,Rosen in der Dämmerung, 1969”.
Die Bilder haben nicht nur die Elemente von einem Stilleben. Sacharow sieht in Ihnen vor allem die Verkörperung der Vollkommenheit der Formen und Farben der Natur. Die von Sacharow geschaffenen Landschaften und Stilleben sind eine lyrische Erzählung über dic Schönheit der Welt. Aber auch das Selbstverständnis des Malers, gefüllt mit seinen Stimmungen und Erlebnisscn, Gemütsbcwegungen und Seelenzuständen, seiner Begeisterung, seiner Traurigkeit und seinem Kummer kommen zum Ausdruck. In den Werken Sacharows spiegelt sich sein ganzes Leben, das komplizicrtc Schicksal eines Menschen des zwanzigstcn Jahrhunderts.
Im Jahr 1995 stirbt Sacharow mit 76 Jahren in Jalta. Sacharow, der ,,Meister des Lichts” hat es in seimen Bildern geschaffl, in der uns umgebenden, oft harten und unfreundlichen Umwelt eine große Harmonie des Menschendaseins zum Leuchten zu bringen.
Prof Olga Zhbankowa, Leiterin der Abteilung Moderne ukrainische Kunst, Nationales Kunstmuseum der Ukraine.
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